Unser Betrieb

Der Flussbahnhof

Aufgrund unserer betrieblichen Tätigkeit sowie der Lage direkt am Salzafluss haben wir unsere historische Springervilla vlg. Kühbauer auf den neuen Namen „Flussbahnhof“ getauft.

In welchem Ausmaß im 20. Jahrhundert die Frage nach dem Umgang mit Energieressourcen an Bedeutung gewann, erzählt das Kühbauer Anwesen auf seine alpenländische Art; einem Ausschnitt bewegter österreichischer Geschichte zwischen gefasstem und ungefasstem fließenden Wasser und den Feuern von Eisenindustrie und Krieg.

Neben seiner eigenen Brandhistorie wird eine Spitze dieser Entwicklung zweifelsohne durch die Folgen einer wahnsinnigen Reichskristallnacht markiert, welche im Jahr 1938 zur unrechtmäßigen Enteignung der  Besitzerin Baronin Valentine Springer, geborene Rothschild und Tochter des Freiherrn Albert Salomon Rothschild, dem Vorbesitzer, Stifter und Gründer des unweit des Springerhofes liegenden Wildnisschutzgebiets Dürrenstein, den Rothwald, Österreichs einzig erhaltenem Urwald, durch das Deutsche Reich, die damalige Reichsforstverwaltung führte.

Die durch das Deutsche Reich enteignetet Kunstsammlerin, die die Liegenschaft 1928 erwarb, war bis zu ihrer Vertreibung in der Region besonders auch durch ihr soziales und bildungspolitisches Engagement bekannt und verstarb in Nähe ihrer ehemaligen Heimat 1968 in Lunz am See, im benachbarten Niederösterreich. Erst in den 90er Jahren kam es zu einer Restituierung einiger Kunstwerke an ihre Erben, ihre Villa in Wildalpen blieb wie leider viele österreichische Kunstdenkmäler mit ähnlichem Schicksal der Lieblosigkeit der Nachkriegsideologien überlassen.

 

Der Entjudungsvertrag inklusive Inventarliste der geraubten Innenausstattung zeugen über eine brutale Selbstverständlichkeit von Religions- und Rassenideologien dieser blutigen HassJahre; die Spuren mutwilliger Zerstörung haben sich selbst in die Beschaffenheit der Liegenschaft eingebrannt. Nach 1945 wurde das Anwesen in den Besitz der österreichischen Bundesforste überführt, ein Restitutionsantrag aus dem Jahre 1963 ist wie so viele Dokumente des Anwesens „spurlos“ verschwunden – wurde gelöscht. In der Chronik Wildalpens erinnert man sich an eine kurzzeitige Nutzung des „einverleibten Springerhofs“ während des Krieges durch die SS. In einem offiziellen Bericht der Österreichischen Bundesforste, wird auch bedauert, dass man das „Springergut“ nicht restituieren konnte, da man „keine Unterlagen“ über den genauen Besitz habe.

Frau Baronin Valentine Springers Anteil – sie hätte diese Frage zweifelsohne bis 1968 selbst beantworten können – des enteigneten jüdischen „Springerschen Besitzes“, in der sogenannten „Scharberg-Thorstein-Kühbachauwaldung“ ist mit dem Kulturbetrieb „Flussbahnhof“ zum Gegenstand historischer Aufarbeitung geworden. Wir laden die Firma ÖBf ein, gemeinsam mit uns, diesen noch ausstehenden Schritt für die eigene Aufarbeitung gemeinsam zu gehen, den Ballast der NS-Vergangenheit endlich abzuwerfen.

Schicht für Schicht, befreien wir die einstig mit Stucken und Malereien verzierte Villa von einer architektonischen Bauhausattacke, klopfen und kratzen militärfarbene Kautschucklacke von Türen, Fenstern und Fassaden, zeichnen Bestandspläne des Hauses, denken uns die lieblosen Umbauten der 70er Jahre weg, schaufeln die Reste des einstigen Holzparketts unter gammeligen Laminaten hervor, hören uns verschiedene Sündenbockvarianten über großteils Verstorbene an; recherchieren in den Archiven dreier Bundesländern, transkribieren in Kurrenthschrift verfasste Urkunden und Akten, um einen Überblick über die mit der historischen Liegenschaft seit 1866 zwecklich verbundenen dinglichen Servituten zu erlangen, welche bereits vor 170 Jahren den jeweiligen Eigentümern für den Erhalt des Betriebs in diesem eher unwegsamen Lebensraum verliehen wurden, heute notwendig und essentiell für die Restaurierung des Flussbahnhofs und Wiederaufnahme des historischen Betriebs, adaptiert an die Anforderungen unserer Zeit, sind.